Entstehung der ersten Feuerwehren in Deutschland

Die meisten Freiwilligen Feuerwehren in Deutschland wurden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gegründet. Das offizielle Gründungsjahr der Freiwilligen Feuerwehr Kälberau ist das Jahr 1881. Ihre Entstehung kann im Zusammenhang mit der allgemeinen Entwicklung des Feuerlöschwesens im 19. Jahrhunderts in Deutschland betrachtet werden. Deshalb soll zunächst auf die allgemeine Feuerwehrgeschichte in dieser Zeit eingegangen werden.

Ein Schadenfeuer war und ist ein großer Schicksalsschlag für die betroffenen Menschen. Im Gegensatz zu heute gab es früher keine Brandschutzversicherung. Ein Feuer hatte häufig den wirtschaftlichen Ruin zur Folge. Brach ein Brand innerhalb einer Stadt oder einer Ortschaft aus, so entstand in vielen Fällen ein Großfeuer, das eine kollektive Katastrophe für die betroffenen Kommunen bedeutete. 

Deshalb gab es bereits am Ende des Mittelalters vielerorts Feuerordnungen, die jeden Bürger zum Löschwesen verpflichteten. Das Löschwesen war in jener Zeit genossenschaftlich organisiert. Es ist deshalb nicht die Grundlage für das heutige Feuerlöschwesen. Die heutigen Feuerwehren – und somit auch die Freiwillige Feuerwehr Kälberau - haben ihren Ursprung in den Feuerwehren, die ab 1840 in Deutschland gegründet wurden.

Vorbild für die ersten deutschen Feuerwehren war das französische Feuerwehrwesen. Es erreichte bereits in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts einen sehr hohen Standard. Der Ursprung des französischen Feuerwehrwesens war die private Löschanstalt des Dumourrier-Duperrier, die 1705 in Paris gegründet wurde und königliche Privilegien besaß. Aus ihr entstand 1811 auf Befehl Napoleons das militärisch organisierte Sapeur-Pompier-Bataillon, das 1821 in die französische Armee eingegliedert wurde. Ab 1831 wurden Sapeur-Pompier Einheiten als selbstständige Waffengattung innerhalb der Nationalgarde aufgestellt. Ein Grund für die Schlagkraft der französischen Feuerwehr dürfte wohl die militärische Organisation gewesen sein. Das französische Feuerwehrwesen war einheitlich aufgebaut, da für alle Sapeur-Pompier Einheiten in Frankreich die Bestimmungen des Pariser Sapeur-Pompier Bataillons verbindlich waren. 1845 schrieb dessen Kommandant, Commandant Paulin, ein Handbuch über das Feuerlöschwesen. Es wurde mehrfach aktualisiert und ins Deutsche übersetzt. Es hat das deutsche Feuerwehrwesen nachhaltig beeinflusst. Bei der Gründung der ersten Feuerwehren in Südwestdeutschland wurden einige Regelungen aus Frankreich übernommen. So bekamen die Feuerwehren als Ausrüstungsgegenstände Handdruckspritzen und die Feuerwehrleute mussten Schutzkleidung tragen. Auch die militärische Organisation wurde aus Frankreich übernommen. Die Benennung erfolgte nach französischem Vorbild, wie das Beispiel des Pompier Corps Durlach zeigt. Ferner waren die ersten Feuerwehren in den Revolutionsjahren 1848/1849 zum Teil als eigenständige Einheiten innerhalb der neu entstandenen Bürgerwehren aufgestellt worden, genauso wie die Sapeur-Pompier Einheiten innerhalb der Nationalgarde eigenständig waren.

Zu Beginn der 19. Jahrhunderts war Napoleon, der sich 1804 zum Kaiser krönen ließ, der Herrscher auf dem Kontinent. Preußen und Österreich waren aufgrund der verlorenen Koalitionskriege durch Bündnisse an Frankreich gebunden. In jener Zeit entwickelten sich in Deutschland erstmals revolutionäre Gedanken nach Freiheit und Gleichheit. Es entstand die Idee nach einem deutschen Nationalstaat. Im Juni 1811 richtete der Lehrer Friedrich Jahn (1778 – 1852) auf der Hasenheide in Berlin den ersten Turnplatz ein und legte damit den Grundstein für die Turnbewegung in Deutschland. Neben der körperlichen Ertüchtigung verfolgten die Turner auch politische Ziele. Die Turnbewegung war demokratisch organisiert. Sie war für alle Stände zugänglich, strebte nach einem geeinten Deutschland und trat für ein Volksheer ein, mit dem Gefahren von innen und außen abgewendet werden sollten.

Es stand fest, dass sich Preußen nur von der Herrschaft Napoleons mit der Unterstützung des Volkes - also eines Volksheeres befreien konnte. Deshalb wurde in Preußen, das trotz der Bindung an Frankreich selbstständig geblieben war, die allgemeine Wehrpflicht eingeführt. Da die Turnbewegung für ein Volksheer war, erhielt Friedrich Jahn trotz gegensätzlicher politischer Ziele in dieser Zeit die Zustimmung von König Friedrich Wilhelm III.

Im Jahr 1813 kam es schließlich zu der erwarteten Volkserhebung gegen Napoleon. In der Völkerschlacht bei Leipzig wurden die Franzosen von den verbündeten Preußen, Russen, Engländern, Österreichern und Schweden geschlagen. In der Folge brach Napoleons Reich auseinander. Ab 1815 begann in Europa die Zeit der Restauration. Die damaligen Machthaber wollten alle Dynastien wieder einsetzen, die Napoleon abgesetzt hatte. Der Reformkurs in Preußen war vorerst gestoppt. Als Folge wurde 1819 ein Turnverbot verhängt. Im Untergrund blieb die Turnbewegung allerdings weiter bestehen. 1842 wurde das Turnverbot wieder aufgehoben. Da der Deutsche Bund zu dieser Zeit durch keinen Feind von außen bedroht wurde, setzten sich die Turner nun für die Erhaltung der inneren Sicherheit ein. Wie eingangs schon erwähnt gab es zwar vielerorts aufgrund von Feuerordnungen eigentlich ein geordnetes Löschwesen. Da es allerdings einen niedrigen Standard hatte, engagierten sich die Turner besonders im Brandschutz. Es entstanden die ersten Turner – Feuerwehren, wie z. B. die Hanauer Turner – Feuerwehr 1843 mit dem Hauptmann August Schärttner (1817-1859). Aufgrund der besonderen Motivation und der militärischen Organisationsform waren die Turner- Feuerwehren deutlich besser als diejenigen Mannschaften, deren Mitglieder zum Brandschutz verpflichtet worden waren.

Im Jahr 1848 wurde in Frankreich aufgrund der Februarrevolution die zweite Republik ausgerufen. Im März desselben Jahres kam es schließlich auch in Deutschland zu Unruhen. Am 18. Mai wurde in der Paulskirche in Frankfurt am Main die erste deutsche Nationalversammlung abgehalten. Damals wurden in verschiedenen deutschen Staaten Bürgerwehren eingerichtet, um gemeinsam mit der Polizei und dem Militär gegen einen möglichen inneren Feind die öffentliche Sicherheit und Ordnung zu gewährleisten. Dabei wurden die Feuerwehren oft als eigenständige Einheiten in die Bürgerwehren eingegliedert.

Viele Bürgerwehren und die dazugehörenden Feuerwehren standen auf der Seite der Revolutionäre. Nach der militärischen Niederschlagung der Revolution im Jahr 1849 wurden deshalb eine Reihe von demokratisch orientierten Feuerwehrkommandanten wegen Hochverrats verurteilt. Als Beispiel soll hier wieder August Schärttner genannt werden. Wie oben schon erwähnt war er 1848 Kommandant der Hanauer Turnerwehr und 1849 Kommandant des Hanauer und Kinzigtaler Turnerbataillon, das als Freikorps an der Seite der badisch-pfälzischen Revolutionsarmee kämpfte. Nach Beendigung der Revolution wurde er in Abwesenheit wegen versuchten Hochverrats zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt.

Die entstandenen Feuerwehren blieben bestehen. Ihre Notwendigkeit wurde nicht mehr bezweifelt. Zu dieser Erkenntnis hat der Hamburger Brand vom 5. -8.Mai 1842 beigetragen. Dabei wurden 2/3 der Hansestadt (75 Straßen mit 4219 Häusern und 3 Kirchen) zerstört. Das Feuer konnte sich damals in Hamburg deshalb so ausbreiten, da man das Feuer nicht wirkungsvoll bekämpfen konnte. 1847 kam es zu einer weiteren Katastrophe, die für die Entwicklung des deutschen Feuerwehrwesens eine Schlüsselfunktion hatte. Am 28. Februar brach im Theater in Karlsruhe während einer Vorstellung ein Feuer aus, das sich schnell ausbreitete. Die Löschmannschaften der Stadt Karlsruhe waren nicht in der Lage, das Feuer zu löschen. So wurde das oben schon erwähnte „Pompier-Corps Durlach“ um Hilfe gebeten. Es war 1846 von Christian Hengst (1804 – 1883) gegründet worden. Zu den Ausrüstungsgegenständen des Pompier-Corps Durlach gehörte übrigens eine Spritze von Carl Metz. Obwohl das Durlacher Corps relativ klein war, konnte es aufgrund der militärischen Organisation und der guten Zusammenarbeit den Brand unter Kontrolle bekommen. Genauso wie das Großfeuer in Hamburg erregte auch der Theaterbrand in Karlsruhe damals großes Aufsehen. Während der Brand in Hamburg deutlich gemacht hatte, welche Zerstörungskraft ein Feuer haben kann, wurde in Karlsruhe eine Möglichkeit präsentiert, wie man ein Feuer wirkungsvoll bekämpfen kann. In der Folgezeit besuchten Delegationen aus ganz Deutschland das Durlacher Pompier Corps, um sich über eine wirkungsvolle Brandbekämpfung zu informieren. In der Folgezeit entstanden viele Freiwillige Feuerwehren, wie das folgende Diagramm verdeutlicht.

geschichte/gruendung.jpgFeuerwehrgründungen in den Jahren 1855 - 1876 (Ländervergleich)

Das Diagramm zeigt, dass es anfangs in Bayern deutlich weniger Freiwillige Feuerwehren gab, als in den Nachbarstaaten. Ab ca. 1865 nimmt die Anzahl der Feuerwehren in Bayern jedoch sprungartig zu. Dies ist auf die wiederholte Aufforderung der bayrischen Regierung an die Bezirksämter zurückzuführen, die Gründung von Feuerwehren zu fördern. Genau in dieser Zeit wurde auch in Kälberau erstmals ein geordnetes Feuerlöschwesen eingeführt.